«Wer wissbegierig ist, kann viel lernen»

Am swissultra 17 sind die Extrem-Triathleten bis zu 15 Tage lang im Wasser sowie auf der Rad- und Laufstrecke unterwegs. Höchstleistungen erbringen jedoch nicht nur die Athleten, sondern auch die Volunteers. Die Erfahrungen, die sie dabei sammeln, können sie auch im Berufsleben brauchen, ist OK-Mitglied Stefan Zwiker überzeugt. Er selbst hat über Swiss Volunteers sowie privat bereits über 2000 Stunden unentgeltlich gearbeitet – und dabei vieles gelernt.

Foto: zvg

Stefan Zwiker, im August findet in Buchs der swissultra 17 statt – ein Triathlon der extremen Art. Das härteste Rennen führt über 38 km Schwimmen, 1800 km Velo und 422 km Laufen am Stück ins Ziel – und zwar jeweils nur auf ganz kurzen Runden. Geht es den 37 Athletinnen und Athleten ums Gewinnen oder ums Überleben?
Es geht ums Ankommen. Die Athleten kommen zu uns, weil sie eine extreme Strecke schaffen wollen. Die Länge des Deca-Ultratriathlons entspricht zehn Ironmans. Im vergangenen Jahr war das Rennen sogar doppelt so lang! Als damals die Österreicherin Alexandra Meixner ins Ziel kam – als erste Frau auf dieser Distanz –, war das ein Riesenereignis.

Was ist härter: die insgesamt 2260 Kilometer an einem Stück hinzulegen oder an zehn aufeinanderfolgenden Tagen je 226 Kilometer zu schwimmen, velofahren und laufen?
Ich kann mir vorstellen, dass es noch mehr Motivation braucht, wenn man jeden Morgen früh aufstehen muss, um wieder ins Schwimmbad zu gehen und von vorne anzufangen.

Am swissultra sind Sie neben den Ressorts Material und Logistik auch für die Helfer zuständig. Sie waren selbst bereits sehr häufig als Volunteer im Einsatz. Weshalb?
Ich machte früher auch wettkampfmässig Sport, in Nordic Walking. Dann erlitt ich eine schwere Fussverletzung und ich wollte dem Sport etwas zurückgeben. Mittlerweile gibt mir die Freiwilligenarbeit auch eine Tagesstruktur, da ich wegen der Verletzung meiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann. Ich bin nicht der Typ, der nichts macht, ich brauche eine Aufgabe.

Wie wurden Sie zum Ressortleiter bei swissultra?
Durch meine vielen Einsätze und die vielen Erfahrungen, die ich zuvor als Volunteer gesammelt hatte. Nach über 2000 Helferstunden wollte ich auch mal Verantwortung übernehmen.

Haben Sie auch sonst von Ihren Volunteer-Erfahrungen profitiert?
Auf jeden Fall. Ich habe sehr viele Leute, Profisportler und Orte kennengelernt und wurde immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Ich konnte auch sehr viel lernen als Volunteer.

Was denn zum Beispiel?
Für den Spenglercup lernte ich zum Beispiel in einem Kurs bei der Polizei, wie man den Verkehr regelt. Ich machte privat Ausbildungen, die ich sonst nie gemacht hätte. Ich lernte, mit Verantwortung umzugehen. Beispielsweise am Gigathlon, der durch die ganze Schweiz von Chur nach Lausanne führte, war ich für den Transport einer Wechselzone verantwortlich.

Inwiefern können junge Leute von der Freiwilligenarbeit profitieren?
Wer wissbegierig ist, kann sehr viel lernen und wird gefördert. Junge Menschen können wertvolle Erfahrungen sammeln, die sie im Berufsleben gut brauchen können. Wer zum Beispiel einen Posten mit vier Leuten leitet, sammelt Führungserfahrung und übt den Umgang mit Menschen. Im Küchenbereich lernt man viel über Hygienestandards. All diese Kompetenzen bringen junge Menschen auch im Berufsleben weiter. Dank dem Zertifikat von Swiss Volunteers können sie die Einsätze auch bei einer Bewerbung angeben – es freut einen Arbeitgeber, wenn er sieht, dass sich jemand auch sozial engagiert.

Was haben die Volunteers am swissultra für Aufgaben?
Sie zählen Schwimmlängen, regeln den Verkehr an der Radstrecke oder verteilen an den Erfrischungsposten an der Laufstrecke Getränke an die Athleten. Sie haben die Möglichkeit, sehr nah an den Athleten zu sein. Diese kommen aus der ganzen Welt, sie sind jedoch keine Stars, an die man nicht rankommt.

Ist es schwierig, genügend Helferinnen und Helfer zu finden?
Ja, für viele Volunteers ist der Weg ins St. Galler Rheintal zu weit, und der Wettkampf dauert vergleichsweise lang. Insgesamt müssen wir 300 bis 400 Schichten verteilen, wobei sich Volunteers auch nur für einzelne Tage anmelden können. Für uns ist Swiss Volunteers als Werbe- und Anmeldeplattform von grosser Bedeutung – ohne sie hätten wir nur halb so viele Helfende. Das Tool ist ein praktisches Arbeitsinstrument, welches mir die Organisation der Volunteers enorm erleichtert: Ich sehe immer, an welchen Posten noch Helfende fehlen.

Zur Person:
Stefan Zwiker (39) aus Engelburg im Kanton St. Gallen war bis zu seiner schweren Fussverletzung 2009 Chauffeur und Sportler. Seither engagiert er sich als Freiwilliger. Für Swiss-Volunteers war er bereits 122-mal im Einsatz und hat dabei 1400 Stunden ohne Entgelt für den Sport gearbeitet. Bereits zweimal wurde er für seine Einsätze geehrt.


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