Die jüngste Freiwillige an der EM - ganz nah an den Stars

«Ich finde es lässig, dass ich an der Eiskunstlauf-EM dabei bin! Ich bin begeisterte Eiskunstläuferin. Vor einem Jahr machte ich einen Kinderkurs, da hat es mich voll gepackt. Heute trainiere ich viermal pro Woche, im Moment für den vierten Stern. Für mich ging ein Traum in Erfüllung, als ich erfuhr, dass ich an der EM als Flower-Kind dabei sein darf!»

Es ist das erste Mal, dass ich als Freiwillige arbeite. Vier Einsätze habe ich in dieser Woche. Meine Aufgabe ist es, zusammen mit anderen Kindern die Stofftiere und Rosen auf dem Eis einzusammeln. Es wäre ja blöd, wenn ein Läufer über ein Tierli stolpern würde! Fans werfen diese auf das Eis, wenn der Läufer die Kür beendet hat. Was die Läufer dann damit machen, weiss ich nicht. Die Tierli nehmen sie wahrscheinlich als Andenken mit nach Hause, die Rosen stellen sie in ein Wasserbecken.

Heute morgen bin ich zur Schule gegangen, ich gehe in die erste Klasse. In der Schule habe ich nicht gross erzählt, dass ich an die EM darf. Sonst sind die anderen plötzlich noch eifersüchtig! Mein Mami hat mich etwas früher abgeholt und wir sind von Zürich nach Bern gefahren. Dann habe ich mich umgezogen. Alle Mädchen haben das gleiche blaue Kleid an. Es gefällt mir. Wir dürfen es nachher behalten. Damit wir nicht frieren, haben wir etwa vier Paar Strümpfe angezogen. Am meisten freue ich mich darauf, in dieser Woche viele Läufer zu sehen. Sarah Meier habe ich schon einmal gesehen, in einem Trainingslager. Sonst aber noch niemanden.

Mein Einsatz heute dauerte von vier bis acht Uhr. Es war die Qualifikation der Männer. Ich durfte ein Riesenstofftier von Moris Pfeifhofer einsammeln!! Es war ein Bär oder ein Löwe. Moris ist mein Trainer! Ich habe mit ihm mitgefiebert, es war schön, ihn laufen zu sehen. Zuerst sah er ernst aus, dann machte er etwas über dem Kopf und lächelte. Er ist – neben Sarah Meier – mein grosses Vorbild. Seine Kür hat mir gefallen, er ist nie gestürzt. Er wurde Sechster und hat sich qualifiziert. Ich war stolz, dass er mein Trainer ist. Ich weiss nicht, ob er mich erkannt hat. Aber wir standen gleich neben seinem Trainer! Das ist lustig: Moris ist mein Trainer, er hat selber aber auch einen Trainer.

Ich war nicht nervös, auch wenn viele Leute zuschauten. Insgesamt durfte ich heute sechs Geschenke und Stofftiere einsammeln. Manchmal haben wir auch einen Applaus bekommen. Wir durften nicht wild übers Eis laufen. Die Betreuerin bestimmte immer zwei Mädchen, die aufs Eis durften, und wenn etwas runtergeworfen wurde, sagte sie, wer es holen darf. Wenn es viel war, durften beide gehen. Wir haben gefroren! Deshalb packten wir uns in Militärdecken ein, wenn wir warten mussten. Ich war immer mit den anderen Mädchen zusammen.

Wenn Sarah Meier läuft, bin ich leider nicht im Einsatz. Ich bin immer bei den Männern. Aber bei den Frauen darf ich zuschauen. Darauf freue ich mich sehr. Ich träume davon, auch einmal vor ganz vielen Leuten zu laufen! Einmal war ich schon an einem Wettkampf, da war ich ein bisschen aufgeregt. Alle haben geklatscht, das war schön. Und ich wurde sogar erste!

Ich finde Eiskunstlaufen einfach schön. Es sieht schön aus, wenn man Pirouetten und Sprünge macht. Die schwierigste Figur, die ich schon bald kann, ist die Sitzpirouette. Den Axel und den Lutz bin ich auch am üben. Wenn man Eiskunstläuferin werden will, muss man ganz viel üben. Ich freue mich auf meinen nächsten Einsatz an der EM. Das nächste Mal werde ich vielleicht nicht frieren. Ich werde einfach immer die Zehen bewegen. » (Aufgezeichnet von Manuela Ryter)

Die siebenjährige Nicole Aebi* (Name geändert) ist eine der jüngsten der insgesamt rund 450 Volunteers an der ISU Eiskunstlauf Europameisterschaft 2011 in Bern. Die begeisterte Eiskunstläuferin träumt davon, mit ihren Künsten auf dem Eis irgendwann einmal selber so viele Menschen zum Staunen zu bringen wie die Stars an der EM. Die Eiskunstlauf-EM konnte bei der Suche nach den vielen Freiwilligen von Swiss Olympic Volunteer profitieren, der Plattform für alle Personen, die sich ehrenamtlich im Schweizer Sport engagieren oder dies tun möchten. Für jeden Einsatz erhalten sie Volunteer Points, die im Volunteer Shop eingelöst werden können. Mehr Informationen unter www.swissvolunteer.ch

Nicole Aebi ist erst sieben Jahre alt und schon freiwillig engagiert. Und sie hat viel Spass, weil ihr ihre Aufgabe als «Flowerkid» an der Eiskunstlauf-EM gefällt. Ganz nach der dritten der «9 Goldenen Regeln der Freiwilligenarbeit»: «Einklang schaffen: Aufgaben, Verantwortung und Kompetenzen müssen übereinstimmen.» 2011 ist das Jahr der Freiwilligen. Auch im Sport würde ohne Freiwillige nichts gehen. In dieser Serie zeigen wir, was Volunteers in Sportvereinen und an sportlichen Grossanlässen leisten. Und möchten uns damit bei ihnen bedanken.


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