Für die Freiwilligenarbeit nehme ich mir gerne Zeit!

Anastassia Kistler ist ein vielbeschäftigter Mensch. Sie kostet den Sport in all seinen Facetten aus, sei es als Spitzensportlerin mit ihren Kameraden, die wie sie die Feusi Sportschulen in Bern besuchen, oder auch als Freiwillige bei Sportveranstaltungen. Sie wurde im Rahmen des «Preises der Stadt Freiburg» vom Sportamt der Stadt Freiburg und von Frigaz als Freiwillige des Jahres 2012 ausgezeichnet und hat dafür ein Preisgeld von 1'800 Franken erhalten. Die 18-jährige Freiburgerin erzählt uns im Interview, wie sie es schafft, die Schule, ihr Engagement als Freiwillige sowie ihren Traum, eines Tages bei den Olympischen Spielen auf dem Eis zu laufen, unter einen Hut zu bringen.

Du wurdest als «Freiwillige des Jahres 2012» der Stadt Freiburg ausgezeichnet. Was bedeutet das für dich?
Es ist eine grosse Ehre für mich, diesen Preis bekommen zu haben. Ich bin sehr stolz darauf! Ich hoffe, dass ich mich bald wieder für die Freiwilligenarbeit im Sport einsetzen kann.


Foto: Preises der Stadt Freiburg (Swiss Olympic)

Warum?
Weil Sport alles für mich ist! Ich lebe für den Sport, für alle Arten von Sport, und als Spitzensportlerin (sie ist Eiskunstläuferin beim SC Bern und wird von Jacqueline Kiefer und Michelle Colberg trainiert, Anm. d. Red.) finde ich es deshalb sehr wichtig, anderen Sportlern zu helfen, wie das viele andere Freiwillige auch tun. Ich finde es auch sehr interessant, andere Sportarten und andere Sportler kennen zu lernen.

Wie bringst du 14 Stunden Training und 25 Stunden Unterricht in der Woche unter einen Hut, ganz zu schweigen von den 76 Freiwilligenstunden, die du 2012 geleistet hast?
Meine Schule, die zu den Feusi Sportschulen Bern gehört, ermöglicht Leistungssportlern, nebst der Schule regelmässig zu trainieren und an Wettkämpfen teilzunehmen. So kann ich meinen Alltag gut organisieren. An den freien Wochenenden engagiere ich mich als Freiwillige oder mache andere Dinge. Dadurch komme ich auf andere Gedanken und beschäftige mich nicht nur mit meiner sportlichen Leistung. Der Druck ist immer sehr gross, deshalb ist ein Volleyballspiel oder ein Sportfest (Anastassia hat 2012 beim Beachvolleyball-Turnier in Gstaad, beim Westschweizer Sportfest in Neuenburg und beim Ironman Rapperswil-Jona mitgeholfen, Anm. d. Red.) die ideale Gelegenheit, mich abzulenken. Danach ist mein Kopf wieder frei für den Sport. Einmal in der Woche singe ich auch und spiele Theater. Dadurch lerne ich neue Sachen und kann meinen Horizont erweitern.

Du hast also einen vollen Terminkalender…?
Na ja, ein bisschen Platz ist da noch… (sie lacht). Ich probiere gerne etwas Neues aus, schaue mich in anderen Bereichen um und lerne gerne Menschen kennen. Dadurch kann ich mich selbst weiterentwickeln und herausfinden, was ich sonst noch so kann. Das Leben ist ein ständiges Lernen, und das möchte ich in allen Zügen auskosten. Ich denke, das ist im Sport genauso wichtig wie im normalen Leben, will man erfolgreich sein. Es findet sich immer eine Lösung, wenn man auf bereits gemachte Erfahrungen zurückgreifen kann.

Hat sich deine Meinung zur Freiwilligenarbeit geändert, seitdem du dich selbst als Freiwillige engagierst?
Ja, ich denke jetzt ganz anders über die Freiwilligenarbeit im Sport, seitdem ich mich dort engagiere. Ich weiss jetzt, welch grossartige Arbeit die Freiwilligen hinter den Kulissen leisten, und ich habe grossen Respekt vor all diesen Leuten, die uns unterstützen!
Für jeden Sportler ist es sehr wichtig zu wissen, dass es Freiwillige gibt, die ihm helfen und ihn unterstützen. Die Freiwilligen kümmern sich um so viele Dinge - ohne sie wäre Sport in der Form, wie wir ihn kennen, nicht möglich.

Wie profitierst du als Leistungssportlerin vom Engagement der Volunteers?
Wenn ich während einer Veranstaltung Fragen habe, gibt es immer jemanden, der mir diese gerne beantwortet und mir hilft. Wenn ich also sehe, mit welchem Eifer diese Menschen bei der Sache sind und wieviel freie Zeit sie uns schenken, da wird mir so richtig warm ums Herz! Das motiviert mich umso mehr, mein Bestes zu geben, gerade auch für sie.


Foto: Anastassia Kistler (zvg)

Was war dein erster Einsatz als Volunteer?
Meinen ersten Einsatz als Freiwillige hatte ich bei der Eiskunstlauf-Europameisterschaft 2011 in Bern. Ich war sehr happy, als Freiwillige an dieser wichtigen Veranstaltung in der Schweiz teilnehmen zu können. Schliesslich ist Eiskunstlaufen die Sportart, die ich ausübe, seit ich drei bin…

Was ist deine schönste Erinnerung als Volunteer?
Ich habe so viele Erinnerungen… alles ist so unglaublich bereichernd. Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Leute mit deiner Arbeit zufrieden sind. In diesen Momenten wird einem so richtig bewusst, dass man zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen hat. Es macht mich glücklich zu helfen! Dank der Freiwilligenarbeit kam ich zudem ganz nah an die grossen, bekannten Eiskunstläufer heran, das hat mich sehr bewegt. Ich hoffe, selbst auch eines Tages dort zu stehen, wo sie jetzt sind. Das ist mein grosser Traum...

An welcher Veranstaltung würdest du gerne teilnehmen?
Eigentlich ist es egal, aber die Olympischen Spiele wären schon toll! Ob Sotschi, Rio, Winter- oder Sommerspiele – das spielt keine Rolle. Am liebsten würde ich ja als Sportlerin daran teilnehmen… aber bis ich soweit bin, liegt noch jede Menge harter Arbeit vor mir. Und es gibt noch einiges zu schaffen.

Was zum Beispiel?
Als erstes steht ein dreiwöchiges Trainingscamp in Minsk in Weissrussland auf dem Programm, damit ich fit bin für die Schweizer Meisterschaften im Dezember. Mein Ziel ist es, noch besser zu werden, um in der Kategorie «Elite» auf dem Siegertreppchen zu stehen.

Wirst du dich auch in Zukunft als Freiwillige engagieren?
Na klar! Bis Dezember bin ich noch eingespannt wegen den Schweizer Meisterschaften, aber ab Januar stehe ich wieder als Freiwillige zur Verfügung. Ich kann es kaum erwarten, bis es wieder soweit ist!


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