«Ich habe Cancellara in der Poliklinik abgeholt»

Leonard Patrelle (24) aus Genf studiert Sportmanagement in England und war an den Olympischen Spielen in London für das Swiss Olympic Team im Einsatz. Wie er Fabian Cancellara von der Poliklinik ins Village fuhr und dabei war, als Roger Federer das Schweizer Team besuchte, erzählt er im Interview.


Leonard Patrelle im House of Switzerland, Foto: Swiss Olympic

Wie bist du dazu gekommen, als «London 2012 Volunteer» für das Swiss Olympic Team zu arbeiten?

Wir konnten drei Länder als Topwahl angeben, bei welchen wir am liebsten mithelfen würden. Als Schweizer – ich kommen von Genf – habe ich die Schweiz als erste Wahl angeben. Ich wollte Freiwilligenarbeit für mein Land leisten und bin glücklich, dass es geklappt hat.

Was ist deine Aufgabe hier in London?

Grundsätzlich unterstütze ich das Team Management von Swiss Olympic. In den ersten Tagen waren wir vor allem mit dem Einrichten der Büros und der Athletenzimmer im Olympic Village beschäftigt. Wir haben den ganzen Block der Schweizer dekoriert, Beschriftungen angebracht und Schweizerfahnen aufgehängt, um den Athletinnen und Athleten einen möglichst schönen Empfang in ihrem «Zuhause» in London zu bereiten. Jetzt bin ich vor allem als Fahrer unterwegs. Ich mache Materialtransporte oder chauffiere die Athletinnen und Athleten vom Olympic Village zu ihren Sportanlagen, hole sie wieder ab oder bringe sie ins House of Switzerland. Am Samstag holte ich beispielsweise Fabian Cancellara von der Poliklinik ab und fuhr ihn zurück ins Village.

Weshalb investierst du Zeit und Geld, um als Volunteer zu helfen?

Ich liebe es, nahe bei Athleten zu sein und die ganze Aufregung an einem Grossanlass hautnah mitzuerleben. Zudem studiere ich seit drei Jahren in England. Dass die Olympischen Spiele jetzt hier in London sind, begeistert mich.

Hast du auch schon andere Volunteereinsätze gemacht?

An Olympischen Spielen ist dies mein erster Einsatz. Aber ich habe schon einmal etwas ganz anderes gemacht: Ich half mit, einen Fussballclub in Cape Town, Südafrika, aufzubauen. Das war auch eine tolle Erfahrung.

Fühlst du dich gut betreut als Volunteer in London? Wird deine Arbeit geschätzt?

Ja sehr. Besonders innerhalb der Schweizer Delegation wird meine Arbeit sehr geschätzt. Wir Volunteers wurden als Teil des Teams aufgenommen und man gibt uns wirklich bei allem das Gefühl, dazuzugehören.

Sind die Spiele hier in London so, wie du es dir vorgestellt hast?

In England ist Sport grundsätzlich ein Thema, das viele Leute begeistert. Jetzt spürt man die Aufregung der Leute hier richtig, sie sind stolz, diesen Anlass in ihrer Stadt zu haben: Überall hängen Fahnen des britischen Teams!

Was war bis jetzt dein eindrücklichster Moment als Volunteer in London?

Der beste Moment war natürlich, als Roger Federer ins Olympic Village kam und zusammen mit dem übrigen Schweizer Team auf der Dachterasse plauderte. Ein weiteres Highlight war, als wir die Athletinnen und Athleten vom Village zur Eröffnungsfeier im Olympiastadion brachten. Dort waren die Teams aller anderen Länder da, das Team der USA war nahe bei uns. Diese Stimmung war wirklich eindrücklich.


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