«Ich machte überall mit, wo es etwas zu gewinnen gab»

Ursi Christen aus Stans gewann 1980 im Schweizer Jugend-Olympialager in Griechenland Gold im Diskuswerfen. Auch ist sie schon ihr ganzes Leben lang freiwillig im Sport engagiert. Im Interview erzählt sie unter anderem, was sie 1980 im Jugend-Olympialager erlebte und welche Gegenleistungen sie für ihre Volunteer-Einsätze erwartet.


«Olympiasieger» Hansjörg, Julia, Werner und Ursi (Fotos: zVg)

Ursi, was gefällt dir am Sport?

Ich war schon immer von Bewegungen und Bewegungsabläufen fasziniert. Bereits im Alter von fünf Jahren liebte ich es, Leichtathleten bei Startübungen zu beobachten und ihnen nachzueifern. Später machte ich überall mit, wo es etwas zu gewinnen gab – beim Langlaufen, Skifahren, bei Orientierungsläufen, Fussball- und Volleyballmeisterschaften oder in der Leichtathletik. Mit 17 Jahren hatte ich übrigens die Möglichkeit, am Schweizer Jugend-Olympialager in Griechenland teilzunehmen. Das war 1980.

 
Feuerentzündung beim Denkmal von Pierre de Coubertin

Am Schweizer Jugend-Olympialager?

Ja, der Schweizerische Landesverband für Sport (SLS) hatte ursprünglich das Jugendlager in Moskau organisiert, wo 1980 die Sommerspiele stattfanden. Dort hätten sich Jugendliche aus aller Welt getroffen, um Moskau kennen zu lernen, olympische Wettkämpfe zu besuchen und selbst Sport zu treiben.

Und warum ging es stattdessen nach Griechenland?

Die Wirren des Kalten Krieges tangierten damals auch die Olympischen Spiele: Viele westliche Länder erwogen den Boykott der Spiele, auch die Schweizer Delegation. Deshalb wurde frühzeitig umdisponiert und das Schweizer Jugend-Olympialager fand zusammen mit den liechtensteinischen Jugendlichen in Griechenland statt, an den Urstätten der Olympischen Spiele.

 
Start zum Stadionlauf

Wer konnte am Lager teilnehmen?

Aus der Schweiz wurden je 13 junge Frauen und Männer im Alter von 17 bis 20 Jahren ausgelost. Diese mussten sich am polysportiven Wettkampf in Magglingen in drei Disziplinen innerhalb der ersten 60 Prozent klassieren. Mir gelang dies im Schwimmen, Volleyball und Waldslalom.

Waldslalom?

Ja, da ging es darum, so schnell als möglich eine bestimmte Strecke um Bäume herum zu absolvieren.


«Lädele» in Olympia (links Ursi Christen, Regina, Julia)

Und was erlebtest du damals an den Urstätten der Olympischen Spiele?

Es war ein äusserst abwechslungsreiches Lager mit viel Sport, Spiel und angeregten Diskussionen. Wir spielten die antiken Olympischen Spiele nach – für mich der absolute Höhepunkt: Die Feuerentzündung beim Denkmal von Pierre de Coubertin, die Fackelträger, der Schwur des olympischen Eids, die antiken Wettkämpfe mit den Siegerehrungen. Ich gewann übrigens Gold im Diskuswerfen.

 
«Olympiasiegerin» mit Olivenkranz und Olympia-Abzeichen

Du treibst nicht nur selbst viel Sport, sondern bist auch schon dein ganzes Leben lang freiwillig im Sport engagiert. Wo warst du schon im Einsatz?

Ich war unter anderem am Swiss Olympic Gigathlon 2002 und 2007 als Volunteer dabei, auch am Sporthilfe Super10Kampf und an der Fussball-EM 2008. Zudem war ich lange Trainerin der Juniorinnen bei Volley Obwalden und leitete während 13 Jahren J+S-Kurse.

Warum engagierst du dich freiwillig?

Die Begeisterung im Sport und an Sportanlässen kann man nicht nur als Sportlerin spüren, sondern auch als Volunteer. Ich kann Kontakte knüpfen und Dinge erleben, die mein Leben bereichern. Es ist interessant, den Event aus einer anderen Sicht, jener der Organisatoren, zu sehen. Und es ist schön, etwas zum Gelingen eines Grossanlasses beitragen zu können.

Was magst du an Helfereinsätzen besonders?

Ich kann meine Begeisterung für den Sport mit anderen sportbegeisterten Menschen teilen. Ganz nach dem Motto «dabei sein ist wie gewinnen».


Ursi Christen und Daniela Gysi als Volunteers am Sporthilfe Super10Kampf (Eingangskontrolle VIP)

Denkst du, dass dein freiwilliges Engagement in der Gesellschaft genügend wahrgenommen und wertgeschätzt wird?

Es gab in der Vergangenheit Aufgaben, bei denen ich die Wertschätzung direkt spürte. Zum Beispiel, wenn ich meine Fremdsprachenkenntnisse einsetzen konnte, um mit Sportlerinnen und Sportlern aus dem Ausland zu kommunizieren. Ansonsten bin ich es gewohnt und finde es auch okay, dass man als Volunteer nicht im Mittelpunkt steht und daher auch nicht unbedingt viel Anerkennung erhält. Meine Rolle sehe ich eher im Hintergrund.

Du kommst also ganz ohne Anerkennung aus?

Ich hole sie mir selbst, indem ich einfach offen bin. Zum Beispiel bei der spontanen Begegnung mit Alain Sutter an der Euro 08 in Basel, als er mir im Vorbeilaufen ein anerkennendes Lächeln schenkte. Ich denke, der Sport-Event ist wie der Rahmen. Die unvergesslichen Erlebnisse, also dein Bild, malst du dir selbst.


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