«Kimi Räikkönen auf die Toilette begleiten»

Mirjam Stebler ist seit der Hockey-WM 2009 Mitglied bei Swiss Olympic Volunteer. Unterdessen hat sich die Lotzwilerin längst daran gewöhnt, auf www.swissvolunteer.ch alle wichtigen Infos rund um freiwillige Einsätze im Sport zu finden. Wir sprachen mit ihr unter anderem über Highlights und Träume im Leben eines Volunteers.

Mirjam, genügt es dir, als Volunteer aktiv zu sein, oder treibst du selbst auch Sport?
Ich war selbst lange Leichtathletin und Unihockeyspielerin. Aber schon zu meinen Aktivzeiten engagierte ich mich ehrenamtlich im Verein.

Wo warst du schon als Volunteer im Einsatz?
Neben der Eishockey-WM 2009 war ich unter anderem am Ironman und am Sporthilfe Super10Kampf als Volunteer im Einsatz. Und bei den Unihockey-Spielen meines Freundes bin ich jeweils als Speakerin mit dabei.

Was war dein bisheriges Highlight als Volunteer?
Als ich an der Eishockey-WM Kimi Räikkönen auf die Toilette begleiten durfte.

Wie bitte?!?
Ja, natürlich nicht so, wie man jetzt meinen könnte! Es war folgende Situation: Es gab damals in Kloten zwei verschiedene VIP-Bereiche. Die Leute, die noch etwas «more important» waren als andere, waren im oberen Stockwerk, wo es aber keine Toiletten gab. Als Kimi pinkeln musste, wollte er ohne seinen Bodyguard gehen, um nicht so viel Aufsehen zu erregen. Also wurde ich kurzerhand damit beauftragt, ihn nach unten zu begleiten.

Hattest du dabei auch die Gelegenheit, ein wenig mit ihm zu reden?
Ja, allerdings nur zwei, drei Worte. Er gilt ja nicht als allzu gesprächig.

Man bekommt also als Volunteer schon etwas mehr mit, als wenn man bloss als Zuschauer dabei ist?
Ganz gewiss! Und zwar nicht nur, dass man ab und zu einem Star begegnet – das hängt auch von der Aufgabe ab, die man bekommt. Besonders interessant finde ich bei jedem Engagement, dass man hinter die Kulisse blicken kann und sieht, was für ein immenser Aufwand hinter der Organisation von Sportevents steckt.

Man bekommt also wertvolle Einblicke in das, was im Hintergrund geschieht. Was motiviert dich zusätzlich zu deinen Volunteer-Einsätzen?
Wenn man selbst Sport treibt, merkt man sehr bald, dass der Schweizer Sport von all den ehrenamtlich Tätigen lebt. Ohne Freiwillige funktioniert nichts. Mit meinem Engagement gebe ich dem System, von dem ich als Sportlerin selbst viel profitierte, etwas zurück. Das ist mir wichtig.

Denkst du, dass dein freiwilliges Engagement in der Gesellschaft genügend wahrgenommen und wertgeschätzt wird?
Ich mache die Erfahrung, dass vielen Leuten nicht bewusst ist, wie viel unbezahlte Arbeit im Schweizer Sport geleistet wird. Besonders bedenkenswert finde ich eine solche Ignoranz beispielsweise bei Eltern, deren Kinder selbst in Vereinen Sport treiben: Möchte man sie für ein Engagement gewinnen, hört man nicht selten, dass es ja bis anhin auch ohne sie funktioniert habe … Ich finde das sehr schade.

Hast du mit der Helfer-Plattform Swiss Olympic Volunteer bisher gute Erfahrungen gemacht?
Ja, sehr. Ich finde es ganz praktisch, eine Plattform zur Verfügung zu haben, wo ich immer mal wieder schauen kann, welche Anlässe in nächster Zukunft stattfinden werden. So kann ich entscheiden, worauf ich Lust habe, und mich dann auch gerade über www.swissvolunteer.ch anmelden.

An welchem Sportanlass wärst du gerne mal als Volunteer dabei?
An Olympischen Spielen. Einmal als Volunteer den olympischen Geist hautnah mitzuerleben, wäre grossartig – die verschiedenen Sportarten, Menschen aus aller Welt, das riesengrosse Fest und all die Emotionen …


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