Top Rennen am Lauberhorn dank Spitzenleistung von Freiwilligen - ein Erfahrungsbericht

Die Nacht liegt noch über dem Berner Oberland. Während die letzten Partygäste im Dunkeln verschwinden, sind andere schon zu ihrem Einsatz unterwegs. Auf meinem Weg in das Funktionärsbüro mache ich einen Halt in der Zentrale, wo ein Zivildienstler hinter Bergen von verschieden farbigen Jacken auftaucht.

Gleich wird der Ansturm losgehen, wenn alle Funktionäre des Ordnungsdienstes, sowie die Volunteers, die an den Kassen oder bei der Zutrittskontrolle arbeiten, ihre Ausrüstung abholen kommen werden.
Der Bahnsteig auf der Rückseite der Funktionärszentrale füllt sich langsam. Athleten, Team-Angehörige, aber vor allem Volunteers warten auf den ersten Zug Richtung Kleine Scheidegg, wo heute die Superkombi stattfinden wird. Ich schliesse mich der Gruppe der Rutscher an. Sie haben die Aufgabe, nach jedem Fahrer die Strecke nochmals langsam hinunter zu fahren, um die Spuren des Rennfahrers auszuglätten und dem nächsten Athleten wieder optimale Bedingungen zu gewährleisten.

Rutscher müssen ausgezeichnete Skifahrer sein und mit gut präparierter Ausrüstung ausgestattet sein. Die Rennpiste ist pickelhart und abschnittsweise sehr steil. Sind die Kanten nicht nachgeschliffen worden, ist es sehr schwierig die Aufgabe gut auszuführen. In der Regel ist man dann nämlich eher damit beschäftigt, nicht unfreiwillig den ganzen Hang hinunter zu rutschen – fernab von der vorgegebenen Spur.

Das Rennen beginnt und ich bin je länger je mehr von dem fasziniert, was hinter der Wettkampfkulisse geschieht. Abläufe, die der Zuschauer am Fernsehen nie zu sehen bekommt. Kaum hat ein Fahrer (und vor allem die TV-Kamera!) einen Abschnitt hinter sich gelassen, strömen dutzende von Helfern auf die Piste und arbeiten wie ein Schwarm fleissiger Bienchen an deren Zustand. Die Zeit, die sie dafür zur Verfügung haben, beträgt lediglich ein paar Sekunden, denn die Abstände zwischen den Fahrern sind verhältnismässig kurz. Auch ich darf ein paar Mal einen kurzen Abschnitt rutschen und ich spüre, wie eine kleine Portion Angst mitfährt, beim Gedanken daran, dass ich bereits den nächsten Fahrer im Nacken habe. Doch andererseits weiss ich auch, dass das Sicherheitsdispositiv so hoch ist, dass ich mich nicht zu fürchten brauche.

Nach der Abfahrt, folgt am Nachmittag der Slalom. Hier ist die Herausforderung für das Rutscherkommando noch grösser. Besonders der Steilhang birgt einige Tücken, sodass wirklich nur sehr routinierte Fahrer auf die Piste dürfen. Und diese meistern ihre Arbeit einmal mehr hervorragend.

Ich habe Urs Näpflin, Rennleiter der Lauberhornrennen, sagen gehört, dass die 82. Internationalen Lauberhornrennen als besonders gelungene Ausgabe in die Geschichte gehen werden. Einen grossen Anteil an diesem Erfolg haben alle Volunteers, die im Einsatz gestanden haben.


Aufgezeichnet von Anna Ostini, die die Lauberhornrennen 2012 als Volunteer miterlebt hat.


sendafriendprint