Das Bernische Kantonalturnfest Thun 2016 - eine Familiensache

Einsatz und Begeisterung - er musste aufpassen, nicht immerzu davon zu erzählen, sagt Ruedi Eggimann. Schon Monate vor dem eigentlichen Event, dem Berner Kantonalturnfest Thun 2016, das im Juni stattfand, war der 49-Jährige Projektleiter kaum zu bremsen. Zuhause, am Esstisch, bei der Familie war das Mega-Event lange im Vorfeld das zentrale Thema. Denn Ruedi koordinierte mit neun Mitarbeitern die Einsätze von 2000 Helferinnen und Helfern, die sich bei der Plattform der Swiss Volunteers eintrugen: vom Auf- bis zum Abbau des Festes gut 30‘000 Zeitstunden.


Foto: Nathalie Tardy

Über 15‘000 Turner kamen schliesslich zum Fest, das an zwei Wochenenden verteilt stattfand und mit teils widrigem Wetter zu kämpfen hatte. Dennoch klappte alles wie am Schnürchen. "Das war eine wahnsinnige Herausforderung" sagt Ruedi - und hört sich gleichermassen erschöpft und glücklich an. Im Prinzip, meint er, hat das Organisationskomitee, zu dem er gehörte, ein mittleres Unternehmen geführt. Ehrenamtlich, mit dem Zeitaufwand eines zweiten Jobs. "Seit Mitte Dezember 2015 habe ich jede Woche 20-25 Stunden reingesteckt und schon in den vorangehenden 3 Jahren war der Zeitaufwand für das Turnfest hoch". Dass es so gut klappte, führt er auf die Familie zurück: Seine Frau Karin hat ihm den Rücken freigehalten und genau wie Tochter und Sohn beim  Event mitgeholfen. Das Organisationskomitee hatte die Losung ausgegeben, dass jedes Mitglied mindestens einen ehrenamtlichen Helfer rekrutieren soll. "Als Personalchef des Fests musste ich natürlich mit gutem Beispiel vorangehen -da liegt es auf der Hand, dass man zuerst in der Familie fragt. Freunde, Bekannte, kommen dann an zweiter Stelle."

Und prompt beteiligte sich jedes Familienmitglied mit zwei, drei Einsätzen. "Meine Frau war sofort mit dabei, genau wie meine Tochter Nicole.“ Auch Sohn Martin bekam einen Job: Er musste nächtens den Zeltplatz betreuen, auf dem wegen des schlechten Wetters nur wenige übernachteten. "Da war wenig los", grinst Ruedi. "Ich weiss nicht genau, was Martin gemacht hat, aber kann es mir vorstellen" - wahrscheinlich das, was 15-Jährige immer machen: Facebook, am Natel spielen. Aber er war da, hat aufgepasst und seine Tätigkeit ernstgenommen.

Die Tochter arbeitete in der Festwirtschaft, von 17 Uhr bis früh am Morgen. "Die zog es voll durch", meint Ruedi anerkennend. Auch seine Frau lieferte die volle Leistung. "Das war am Limit," sagt Ruedi ernst, "wir vom Organisationskomitee hatten nicht mehr als drei bis vier Stunden Schlaf pro Tag." Und dennoch: Der Stolz überwiegt. "Eine Meisterleistung", meint er und lacht. "Wir haben ein positives Feedback bekommen, es ist schön, das zu spüren."  Ohne ehrenamtlichen Helfer könnte so ein grosser Anlass nicht mehr durchgeführt werden, meint Eggimann. Überall waren sie zugange: Von der Essensausgabe über die Auswertung der Wettkampfergebnisse bis zum Parkdienst. „Bei der Schlussvorführung am Sonntagnachmittag spürte man im Organisationskomitee die Erleichterung“, sagt er, "da flossen viele Tränen. Wir lagen uns in den Armen und herzten uns!"

Mitte Oktober gibt es ein Dankesfest für die 2000 Helfer in Thun. Da insgesamt acht Turnvereine aus der Region das Event organisierten, hatte Swiss Volunteers einen noch höheren Stellenwert: So konnte von überall und unabhängig von der Uhrzeit geplant werden. Und wo Lücken entstanden, konnte Ruedi auf den Freiwilligen-Pool von Swiss Volunteers noch zurückgreifen. Tatsächlich war auch die Begeisterung unter den Helfern enorm:  Ganze Familien waren beim Mega-Event dabei, über zwei oder sogar drei Generationen hinweg. „Ich hatte immer den Wunsch, ein Turnfest mitzugestalten“, sagt der aktive Turner. Dass es so gut geklappt hat, zusammen mit der eigenen Familie, macht Ruedi Eggimann zu einem glücklichen Mann.


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