"Es kann nur funktionieren, wenn jeder einen Beitrag leistet"


Foto: zvg

Isabelle, man nennt dich schon die gute Seele vom SWISS Int. Seelandtriathlon Murten, weil du so oft dort mitgeholfen hast. Weisst du noch, wie oft du im Einsatz warst?
Das freut mich! Wahrscheinlich habe ich diesen Ehrentitel, weil ich das schon lange mache und den Betrieb kenne. Die jeweiligen Verantwortlichen müssen mir nicht mehr gross erklären, wie es läuft. Ich mache ja nur den Triathlon, der früher in Schwarzsee stattfand und jetzt SWISS Int. Seelandtriathlon Murten heisst. Dieses Jahr fand er zum elften Mal statt - in Schwarzsee habe ich wohl an die zehn Mal mitgeholfen. Vielleicht sind es total 20 Mal oder so? Ich kann das gar nicht genau sagen.

Du hast das also schon ein paar Mal gemacht. Wie motivierst Du Dich denn immer wieder aufs Neue? Was reizt Dich denn genau?
Ich mache es einfach gerne. Es gibt diesen Moment auf dem See, wo man all die nervösen Athleten sieht, die sich ins Wasser stürzen. Und man selbst ist nebenan und geniesst die Natur und den See und auch die Tatsache, dass man sie vielleicht unterstützen kann, indem man ihnen hilft.

Warum ist Dir das Engagement als Volunteer so wichtig?
Ich engagiere mich auch sonst im Sport und der Kultur. Ich denke, unsere Gesellschaft braucht den freiwilligen Einsatz. Einerseits gibt es einem viel Befriedigung und andererseits ist es schlicht notwendig, sei es für Sportanlässe, im Kulturbereich oder bei Vereinen. Es kann nur funktionieren, wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet.

Wie ist die Atmosphäre mit den anderen Volunteers?
Das ist auch ein wichtiges Element: Ich freue mich, die Volunteers immer wieder zu sehen, es sind oft die gleichen. Man sieht sich einmal im Jahr und trinkt Kaffee zusammen und hat‘s lustig. Es ist einfach dieser Spirit: Alle sind da und geben einen Samstagmorgen ihrer Freizeit, geniessen es  zusammenzusein und an diesem Anlass teilzunehmen. Es ist locker und gleichzeitig engagieren wir uns.

Wie sieht denn dein Einsatz üblicherweise aus?
Beim Triathlon hat es ganz viele Helfer. Die meisten sehen wir nicht, weil sie an einem anderen Ort eingesetzt sind, z.B. diejenigen, die auf der Strasse die Radfahrer leiten. Aber beim Schwimmen sieht man immer dieselben, das sind vielleicht zehn Leute. Mit denen arbeitet man wirklich eng. Wir sind die Retter für die Schwimmer, die beim Triathlon im See sind: Wir begleiten sie, sei es auf dem Kajak oder mit einem Stand-Up-Paddle. Wenn ein Schwimmer ein Problem hat, können wir schnell zu ihm und er kann sich am Kajak fest halten. Dieses Jahr war der See ziemlich turbulent, da hatten einige Leute Probleme. Zum Teil halten sich die Schwimmer einen Moment fest, bis es wieder besser geht oder sie sich erholt haben und schwimmen dann weiter. Bei Leuten mit grösseren Problemen rufen wir das Rettungsboot, aber das kann sich erst nähern, wenn der Grossteil der Schwimmer weg ist. Dieses Jahr mussten wir zwei oder drei Wettkämpfer ans Rettungsboot übergeben, weil sie sich unwohl fühlten oder sie einen Krampf hatten

Wenn Du auf deine Einsätze zurückblickst, gab es da Momente, die die Dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Eine Schwimmerin hatte zwei Neopren-Anzüge an und hat einen während dem Schwimmen ausgezogen, weil ihr darin zu heiss wurde. Ihr Mann, der am Ziel der Schwimmstrecke wartete, hat sie aber nicht erkannt, weil sie nicht mehr den gleichen Anzug anhatte. Er hat Panik bekommen, dachte, sie sei ertrunken. Es hat sich dann herausgestellt, dass sie schon längst auf der Velo-Strecke war. Das war wirklich dramatisch ohne gefährlich zu sein. Es gibt aber Einsätze, wo Leute im See in Panik geraten, wegen der vielen Schwimmer um sie herum, teilweise sind das ja 300 Leute pro Kategorie.

Kommt es bei sovielen Teilnehmern noch zu interessanten Begegnungen mit den Teilnehmern?
Es gibt manche, die für die Schwimmstrecke recht lange brauchen. Wir paddeln neben ihnen her und versuchen sie zu motivieren weiterzuschwimmen. Ich erinnere mich an eine etwa 60-jährige Engländerin, die im Brustschwung in einer Ruhe geschwommen ist - während ich neben ihr paddelte. Sie sagte immer wieder: 'It's so beautiful here!' das Panorama vom See aus Richtung Murten  ist ja wirklich schön.

Und wirst du dich auch weiterhin als Volunteer engagieren?
Mit Freunden haben wir abgemacht. Dass wir uns alle paar Wochen für ein Swiss Volunteers-Event einschreiben werden,wenn wir pensioniert sind. Dann reisen wir in verschiedene Gegenden, lernen neue Leute und Sportanlässe kennen. Ich finde die Organisation mit der Plattform sehr angenehm. Man hat einen Überblick über die Events und kann sich etwas aussuchen. Das ist eine gute Sache.


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