In Arosa packt das ganze Dorf mit an – auch dank Swiss Volunteers

Pascal Jenny ist Kurdirektor von Arosa, einer der erfolgreichsten Wintersportdestinationen der Schweiz. Im Interview erzählt Jenny, weshalb Sportanlässe fürs Image von Arosa so wichtig sind – und wieso Arosa immer genügend Volunteers findet.


Bild: zvg

Pascal Jenny, waren Sie diese Woche schon auf der Piste?
Leider nein. Ich sah die Piste jedoch jeden Tag vom Büro aus.

Sie waren früher erfolgreicher Handballspieler, heute sind Sie Kurdirektor der Skidestination Arosa. Was macht Wintersport so faszinierend?
Dieses unersetzbare Lebensgefühl. Jeder fängt im Schnee an zu jauchzen – angesteckt durch die Mystik der verschneiten Berge, die Sonne und Kälte und die Bewegung draussen in der Natur.

Arosa ist eine der erfolgreichsten Schweizer Wintersportdestinationen. Was macht Arosa richtig?
Zum einen haben wir eine speziell schöne Lage, und Arosa ist ein charmanter Ort mit viel Tradition. Zum anderen hat sich Arosa mit den vielen Hotels, Events und dem speziellen Zusammenhalt im Dorf über die Jahrzehnte viel aufgebaut.

Inwiefern hält das Dorf zusammen?
Die Menschen helfen einander. Auch an unseren Events helfen immer ganz viele Einheimische mit. Wir haben dadurch nie Probleme, genügend Volunteers zu finden. Ein gutes Beispiel ist die Gastro-Szene, die sich zusammengeschlossen hat, um an unseren vielen Events im Turnus freiwillig und unentgeltlich die Gäste zu bewirten. Ihre Präsenz gibt den Events einen authentischen, regionalen Charakter – und für uns ist dies natürlich auch aus wirtschaftlicher Sicht ein grosser Vorteil.

Ihr Aushängeschild ist das Humorfestival. Arosa setzt jedoch auch auf Sport. Wie wichtig ist Sport fürs Image?
Der Sport steht gemeinsam mit der Kultur ganz klar im Zentrum. Arosa war mit seinen 1800 M.ü.M. bei den Sportlern schon immer beliebt fürs Höhentraining, und sogar wer ans Humorfestival kommt, muss zuerst zu Fuss durch die Winterlandschaft spazieren, um zum Zelt zu gelangen. Mit dem AUDI FIS Ski Cross World Cup, dem Arosa ClassicCars und vielen Breitensportanlässen lockt der Sport jedes Jahr viele Menschen an.

Sportanlässe sind nur dank der unentgeltlichen Arbeit vieler Freiwilliger möglich – tragen auch die vielen Volunteers zur Erfolgsstory von Arosa bei?
Das ist unbestritten. Die riesige Anzahl an Events, die Arosa durchführt, ist nur dank der vielen Freiwilligen möglich. Da sind Schüler im Einsatz, die Programmhefte verteilen, und auch Anwälte, die zwei Tage lang die Piste abrutschen. Oder Zweitwohnungsbesitzer helfen bei Sportanlässen gerne mit – vielleicht ist ihr Einsatz für die gleiche Sache mit ein Grund, weshalb es in Arosa nicht zu Konflikten zwischen ihnen und Einheimischen kommt.

Bereits seit 2010 sucht und organisiert Arosa die Helferinnen und Helfer für viele Events über Swiss Volunteers. Wieso benutzen Sie die Plattform, wenn Sie die Freiwilligen im Dorf finden?
Es kommen immer wieder auswärtige Helfer, die den Arosa-Groove gerne miterleben möchten. Die Plattform ermöglicht somit sehr spannende Begegnungen und einen wertvollen Austausch, von dem wir wie auch die Volunteers profitieren. Swiss Volunteers vereinfacht ausserdem unsere Arbeit enorm, insbesondere die Verwaltung und Organisation der Helfer. Es melden sich auch viele Einheimische über Swiss Volunteers an – ihnen können wir über die Plattform schmackhaft machen, auch mal an einem anderen Event mitzuhelfen.

Was geben Sie den Volunteers zurück?
Das Wertvollste, was sie erhalten, ist der spezielle Zusammenhalt. Die Volunteers sind nicht nur mit uns im Einsatz, sondern sie feiern abends auch gemeinsam mit uns. Da gab es schon viele sehr schöne Erlebnisse. Und es ist natürlich auch ein Highlight, an einem sehr attraktiven Grossevent dabei zu sein. Die Helferinnen und Helfer erhalten zudem je nach Einsatz verbilligte Übernachtungen, Gutscheine und Kleider. Wir kümmern uns auch während der Events ums Wohl der Volunteers, beispielsweise indem wir ihnen bei schlechtem Wetter regelmässig warmen Tee vorbei bringen. Und wir danken ihnen – die Wertschätzung ist zentral, damit sie wiederkommen.

Waren Sie auch schon als Volunteer im Einsatz?
Immer wieder! An einem Event braucht es immer Hilfe, da packe ich selbstverständlich mit an. An einem Skicross-Weltcup war ich mal einen Tag lang als Rutscher im Einsatz. Am Abend war ich komplett k.o.


Pascal Jenny ist seit 2008 Kurdirektor von Arosa und seit 2016 Mitglied des Exekutivrats von Swiss Olympic. Vorher spielte er Handball – 2006 nahm er mit der Schweizer Nationalmannschaft an der Europameisterschaft teil.

«Die Plattform Swiss Volunteers erleichtert Arbeit enorm»

Insgesamt 1000 Freiwillige konnte Swiss Volunteers seit 2010 an Anlässe in Arosa vermitteln. Darunter waren viele einheimische Helferinnen und Helfer, aber auch Volunteers aus der ganzen Schweiz. Der grösste Sportevent ist der jährliche Skicross-Weltcup, für den Arosa rund 190 sogenannte Helfertage verteilen muss. «Dank Swiss Volunteers erreichen wir bei der Akquise eine riesige Zielgruppe und wir können die Freiwilligen motivieren, im nächsten Jahr wiederzukommen», sagt Stefan Reichmuth, Leiter Marketing und Events der Arosa Bergbahnen AG. Insbesondere das Verwaltungs-Tool von Swiss Volunteer habe vieles vereinfacht: «Früher schlugen wir uns mit unzähligen Excel-Listen herum, heute sind die gemeldeten Volunteers bereits perfekt erfasst.»

Um die Volunteers kümmert sich der «Verein internationale Schneesportevents Arosa», bestehend aus Arosa Tourismus, Arosa Bergbahnen AG und der Schweizerischen Ski- und Snowboardschule. Neben dem jährlichen Skicross-Weltcup organisiert das OK auch Breitensport-Events, etwa den Famigros Skiday oder den Migros Grand-Prix. Pro Jahr seien rund 120 Freiwillige im Einsatz, viele von ihnen mehrmals, sagt Reichmuth. «Wir versuchen, für jede Person den idealen Job zu finden.» Am beliebtesten seien Einsätze möglichst nah am Geschehen, etwa in der Logistik, bei der Zeitmessung oder der Pistenpräparation. Eine Herausforderung sei allerdings die Ungewissheit, die sich durch die Akquise über Swiss Volunteers ergebe: «Wir kennen die neuen Volunteers nicht und wissen jeweils bis zum Anlass nicht genau, was sie können.» Das habe schon zu einigen Überraschungen geführt. Meist finde man aber eine gute Lösung. So habe einmal ein taubstummer Volunteer für Aufregung gesorgt, erzählt Reichmuth: «Wir setzten ihn schliesslich in der Verpflegung ein und er machte dort einen wirklich tollen Job.» Der Mann komme seither jedes Jahr wieder – wie die meisten anderen Volunteers auch: «Es ist jeweils wie ein Klassentreffen.» Die schönsten Events seien meist nicht jene, bei denen alles problemlos verlaufe, sagt Reichmuth, sondern die aussergewöhnlichen: «Einmal schneite es in der Nacht und wir trommelten alle Volunteers zusammen – um vier Uhr morgens standen sie alle topmotiviert auf der Piste und schaufelten Schnee oder rutschten die Piste ab.» Ihr Einsatz sei immer wieder beeindruckend, sagt Reichmuth. Er sei jedoch auch nötig: «Es braucht ein ganzes Team, um ein perfektes Event hinzubringen.»


Text: Manuela Ryter, textbüro manuskript


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